Historie

Im Januar 1983 stellte Helmut Jordan bei einem Treffen der Friedensinitiative Rhein-
Hunsrück im Simmerner Schinderhannesturm mit einer sogenannten „Nullnummer“ seine Idee vor, durch eine eigene Publikation der Hunsrücker Friedensbewegung Gegenöffentlichkeit zum faktisch bestehenden Pressemonopol des Koblenzer Mittel-
rheinverlages herzustellen. Einerseits sollte die Bevölkerung über die Pläne und Vorgänge rund um den NATO-Doppelbeschluss und der damit verbundenen geplanten Stationierung von atomaren Marschflugkörpern vom Typ „cruise missile“ im Hunsrück informiert werden. Andererseits sollte das HUNSRÜCK-FORUM auch ein Medium für grundsätzlich antimilitaristische und pazifistische Ideen sein und ein kleines Gegen-
gewicht zum verbreiteten militaristischen Denken in der damaligen Zeit des Kalten Krieges schaffen. Die Nullnummer hatte noch den Arbeitstitel „Friedens-Forum“.

Die Simmerner Lokalredaktion des Mittelrheinverlages, die den Lokalteil „Hunsrücker Zeitung“ herausgab, wie auch die Koblenzer Redaktion, die für überregionale Bericht-
erstattung zuständig war, nutzten von Anfang an ihr Monopol, um in redaktionellen Berichten wie auch Kommentaren die Hunsrücker Friedensbewegung als linksradikal und verfassungsfeindlich darzustellen, und versuchten, deren führende Köpfe zu kriminalisieren. Professionelle journalistische Arbeit mit kritisch-distanzierter Bericht-
erstattung zu Themen wie „Aufrüstung“, „NATO-Doppelbeschluss“ und „Stationierung von Atomraketen im Hunsrück“ fand nicht statt. Sachliche Informationen zu diesen Themenkomplexen wurden der betroffenen Bevölkerung vorenthalten. Die Hunsrücker Zeitung und deren überregionale Seiten wurden mehr oder weniger zum freiwilligen Sprachrohr von Bundes- und rheinland-pfälzischer Landesregierung und deren Kalter Krieger!

Ende März 1983 erschien die erste Ausgabe mit dem Namen „HUNSRÜCK-FORUM“. Die Redaktion schrieb im Impressum der Erstausgabe:

„Wir in der Redaktion sind Menschen, die ein Ziel verbindet – nämlich der Frieden ohne Waffen. Aus diesem Grund arbeiten wir mit in der Friedensinitiative Rhein-Huns-
rück. Wir wollen mit dieser Zeitschrift Informationen nachreichen und zusammenfas-
sen, die wir hier in der Tagespresse vermissen. Bei uns ist jeder gerne gesehen, der an einer Mitarbeit interessiert ist, mit dem Ziel, dass noch mehr Informationen weiter-
gegeben werden können.“

Im April 1985 sorgte das HUNSRÜCK-FORUM dann bundesweit für Schlagzeilen. Die Staatsanwaltschaft ermittelte gegen Redaktionsmitglieder wegen „sicherheitsgefähr-
denden Abbildens“ und „Aufforderung zu Straftaten“! Privatwohnungen und Arbeits-
plätze von Redaktionsmitgliedern sowie die Räume des Kirchberger Friedensbüros wurden von BKA-Beamten durchsucht! Alle Verkaufsstellen und die Druckerei des HUNSRÜCK-FORUMs erhielten ebenfalls „Besuch“ und die beanstandeten Seiten wur-
den entweder herausgetrennt oder gleich die ganzen Hefte beschlagnahmt!

In der Ausgabe Nr. 8 hatte das HUNSRÜCK-FORUM den in den USA öffentlich zugäng-
lichen Bauplan der Marschflugkörper-Stellung PYDNA bei Hasselbach im Hunsrück abgedruckt und in einem Artikel über eine Kampagne gegen die unterschiedliche Dauer von Zivil- und Wehrdienst berichtet. In diesem Artikel wurden Zivildienstleis-
tende aufgefordert, nach 15 Monaten und dreieinhalb Tagen, der durchschnittlichen Dauer des Grundwehrdienstes, „die Koffer zu packen“.

Im März 1987 wurde als Herausgeber der Verein „HUNSRÜCK-FORUM – Verein für Demo-
kratie und Frieden e.V.“ gegründet und im Juli des gleichen Jahres in das Vereinsre-
gister eingetragen.

Im Oktober 1995 ging dann nach fast 13 Jahren eine Ära zu Ende: Mit Heft 64 erschien die (bislang) letzte Ausgabe des HUNSRÜCK-FORUMs.

Im November 2006 hatte Axel Weirich, ehemals Redaktionsmitglied beim HUNSRÜCK-
FORUM und Vorsitzender des HUNSRÜCK-FORUM Vereins, die Idee, im Rahmen der Ausstellung „Kalter Krieg“ im Kastellauner Haus der Regionalen Geschichte die Komplettausgabe des HUNSRÜCK-FORUM ins Internet zu stellen und damit historisch-
authentisches Material der Hunsrücker Friedensbewegung allgemein verfügbar zu machen und so vor dessen Verlust zu bewahren.

Hier sind wir nun …